Verband getrennterziehender Eltern
 

Konflikte - Politik

Im Jahr 2018 wurden von der Exekutive erstmals Trennungseltern in den Blick genommen. Die damalige Ministerin Dr. Katharina Barley lud zu Zukunftsgesprächen unter dem Stichwort „Gemeinsam getrennt erziehen“ ins Bundesfamilienministerium ein.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe erörterten Fachleute und Verbände im BMFSFJ notwendige Schritte für ein gesellschaftliches Umdenken im Umgang mit Trennungseltern und Trennungskindern. Die Initiative war ein wichtiger Schritt weg von der Stigmatisierung von Trennungen und damit auch implizit hin zu einer Akzeptanz von Konflikten. Es wäre sehr verfrüht von einem Paradigmenwechsel zu sprechen. Es wird nach wie vor – insbesondere auch von den Vorgängerinnen von Frau Dr. Barley – wenn von einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und gleichverteilter Familienarbeit gesprochen wird, vorausgesetzt, dass Eltern zusammenleben und sich in allen wesentlichen Dingen einig sind.

So bestehen weiterhin starke Vorurteile gegenüber nicht einvernehmlichen Lösungen – und was ist im Schatten eines Familienrechts tradierter Prägung schon einvernehmlich – in der Nachtrennungssorge (siehe Organisation gemeinsamer Elternschaft – Politik). Konflikte werden gemeinhin als große Verantwortungslosigkeit der Eltern wahrgenommen, die im Zweifelsfall rechtfertigen, dass ein Elternteil vom Familiengericht aus dem Leben seiner oder ihrer Kinder aussortiert wird.

Wie die überwiegende Zahl der Fachpolitiker im Bundestag ist auch die Initiatorin der Zukunftsgespräche übrigens keineswegs für eine gesellschaftliche Favorisierung tatsächlicher gemeinsamer elterlicher Sorge nach Trennung.

Stattdessen wird von vielen Entscheidungsträgern der Einzelfallentscheidung das Wort geredet. Oft mit dem Hinweis auf das Randphänomen häusliche Gewalt. Mit dem Sonderfall, dass ein Elternteil nicht erziehungsgeeignet ist, wird das schwierige Thema der streitschürenden Elemente des Familienrechts (systematische Diskriminierung eines Elternteils) gern übergangen und das noch schwierige Thema der Sanktionierung konfliktschürenden Verhaltens weit von sich geschoben. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von einem Substitutionseffekt – in diesem Fall Ersatz einer schwierigen Aufgabe (wie Konflikte eindämmen) durch eine vermeintlich einfache Lösung  (Aussortierung eines Elternteils); vgl. D. Kahnemann.

 
 
 
E-Mail
Infos